Die Psychobiographische Pflegetheorie


Professor Erwin Böhm

   
Die Zahl der demenziell erkrankten alten Menschen nimmt mit steigender Lebenserwartung ständig zu. Die Pflegesituation im Krankenhaus-, und Heimalltag wird für Pflegende immer komplexer und anspruchsvoller.  

 

Professor Erwin Böhm, Begründer der Psychobiographischen Pflegetheorie und des  Psychobiographischen Pflegemodells, hat einen ganzheitlichen und äußerst praxisorientierten Ansatz für die Geriatrie, Gerontopsychiatrie und Psychogeriatrie geschaffen.

Sein Modell fördert ein vertieftes Pflegeverständnis durch die intensive Auseinandersetzung mit der Gefühlsbiographie der Betroffenen.

Oberstes Ziel der Böhmschen Pflegephilosophie ist die psychische Wiederbelebung ("Reaktivierung") des alten Menschen, die maximale Förderung seiner noch vorhandenen Ressourcen und Anerkennung seiner psychobiographisch gewachsenen Identität.

 

Lebenslauf Prof. Erwin Böhm

Grundsätze der Psychobiographischen Pflegetheorie

Auffällige Verhaltensweisen lassen sich laut Böhm nur im Lichte der individuellen (thymopsychischen) Biographie und der daraus ableitbaren "Prägung" verstehen. Es ist also wichtig, die psychobiographische Normalität der Menschen zu kennen und wiederherzustellen. Eine Person, die sich ihr Leben lang nur einmal in der Woche gewaschen hat, versteht nicht, warum die Schwester will, dass sie nun täglich duscht. Wichtig ist es deshalb, sich nach der psychobiographisch gewachsenen Normalität und Identität der Bewohner zu richten und nicht etwa das Hygienebedürfnis des Pflegepersonals zu befriedigen.

Die Anwendung des Psychobiographischen Pflegemodells lässt grundsätzlich eine Reaktivierung, d.h. eine deutliche  Verbesserung des psychischen Zustandes des dementen Menschen zu, indem sie die Demenz nicht als organisches, sondern als psychobiografisch interpretierbares  Problem sieht. Der demenzkranke Mensch bleibt in seinem Gefühl, also seiner Thymopsyche erreichbar. Durch, aus der individuellen und kollektiven Biographie abgeleitete Schlüsselreize kann die Lebensenergie wieder entfacht werden.

Resultat:
Eine systematische Anwendung des Psychobiographischen Pflegemodells führt mindestens zu folgenden Verbesserungen für die Klienten und das Personal:

  • eine Reaktivierung bei Klienten im Destruktionstrieb und Rückzug

  • eine Symptomlinderung ohne Einsatz von Psychopharmaka

  • eine Erhöhung des Selbstwertgefühls beim alten Menschen

  • eine Verbesserung der Pflegequalität durch “seelische Pflege”

  • eine deutliche Erhöhung der Arbeitszufriedenheit

  • eine Senkung der Krankenstände.

  



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